Logline schreiben: der eine Satz vor dem Drehbuch
Eine Logline ist der Satz, der dein Drehbuch verkauft. Was reingehört, was nicht, woran du eine schlechte Logline erkennst, und warum du sie zuerst schreibst statt zuletzt.
Bevor du die erste Szene schreibst, schreibst du einen Satz. Diesen einen Satz nennt man Logline. Er sagt jemandem in fünfzehn Sekunden, was dein Film ist. Jemandem, der weder Zeit noch Geduld für mehr hat.
Wenn dieser Satz nicht funktioniert, funktioniert das Drehbuch in der Regel auch nicht. Nicht weil ein guter Satz das Drehbuch ersetzt, sondern weil ein Satz, der nichts greift, meistens ein Stoff ohne Greifpunkt ist.
Was eine Logline trägt
Vier Teile, in dieser Reihenfolge:
- Wer. Die Hauptfigur, nicht beim Namen, sondern als Funktion. “Eine Pianistin”, “ein pensionierter Detektiv”, “zwei Schwestern”.
- Was sie will. Das aktive Ziel der Figur. Nicht “lernt sich selbst kennen”, sondern “will ihren Vater finden”.
- Was im Weg steht. Der Antagonismus. Eine Person, ein System, eine Zeit-Begrenzung, eine eigene Schwäche.
- Was auf dem Spiel steht. Der Einsatz, der das Ganze dringlich macht. Was passiert, wenn sie scheitert?
Das ergibt eine Struktur in der Art von: “Wenn [Wer] [Was] tun will, muss [Wer] [gegen Was] kämpfen, sonst [Einsatz].”
Das ist Schablone, nicht Pflicht. Aber wenn dir nach drei Versuchen keine vier Teile einfallen, fehlt einer davon auch im Stoff.
Drei Loglines, drei Filme
Drei Beispiele ohne Titel davor. Lies sie als Logline und überleg, ob du den Film kennst.
“Ein zu Unrecht verurteilter Bankier kommt ins Gefängnis und freundet sich über zwei Jahrzehnte mit einem Mithäftling an, während er heimlich an seiner Flucht arbeitet.”
“In einer postapokalyptischen Wüste hilft eine geflohene Kriegerin fünf entführten Frauen, vor einem Warlord zu fliehen, während ein Mann mit eigener Vergangenheit zu ihrem Komplizen wird.”
“Ein Privatdetektiv ermittelt im Todesfall eines reichen Krimi-Autors und durchschaut langsam die gegenseitigen Anschuldigungen einer übergriffigen Familie.”
Du erkennst sie: Die Verurteilten, Mad Max: Fury Road, Knives Out. Keine davon nennt Titel, Regie oder Genre. Jede sagt dir Hauptfigur, Ziel, Gegner, Einsatz. Du weißt nach einem Satz, ob du zwei Stunden davon gucken würdest.
Tells einer schlechten Logline
Wenn deine Logline an einer dieser Stellen hängt, ist meist der Stoff dahinter dünn:
- Drei Adjektive vor dem Wer. “Eine junge, ehrgeizige, kluge Pianistin.” Die Adjektive helfen nichts. Eine konkrete Tätigkeit hilft: “Eine Pianistin, die seit zehn Jahren nichts mehr veröffentlicht hat.”
- Kein konkretes Ziel. “Findet sich selbst”, “muss erwachsen werden”, “lernt zu lieben”. Das ist Thema, kein Plot. Was tut die Figur, wenn sie morgens aufwacht? Welchen Anruf erwartet sie?
- Vage Antagonisten. “Muss gegen ihre Vergangenheit ankämpfen.” Was heißt das szenisch? Wer kommt zur Tür rein? Welcher Brief liegt im Briefkasten?
- Kein Einsatz. “Versucht, das Café zu retten.” OK, und wenn nicht? Wer geht dann unter, wer leidet? Wenn beim Scheitern nichts passiert, fehlt der Druck.
- “Eine Reise”, “ein Roadtrip der Selbstfindung”, “ein bewegendes Porträt”. Floskeln aus Verleih-Slogans, keine Loglines. Streich sie und schreib, was die Figur tut.
Warum zuerst
Manche Drehbuchratgeber sagen, du sollst die Logline am Ende schreiben, wenn du weißt, was im Drehbuch steht. Das geht. Es führt aber dazu, dass du am Ende einen Satz formulierst, der zum Drehbuch passt, statt am Anfang einen Satz zu haben, an dem du das Drehbuch ausrichten kannst.
Ein anderer Weg: die Logline so früh wie möglich aufschreiben. In ScriptZ als erste Action-Zeile über der Outline, dann sichtbar lassen. Beim Schreiben einer Szene kannst du dich fragen: dient das, was hier passiert, dem Satz oben? Wenn nicht, raus damit, oder den Satz oben anpassen, weil sich der Stoff verändert hat. Beides sind valide Antworten. Die unsichtbare Dritte heißt “das bleibt drin, obwohl es woanders hingehört” und ist die teuerste.
Test
Wenn deine Logline fertig ist, lies sie jemandem vor, der den Stoff nicht kennt. Frag nicht “gefällt sie dir”, sondern: “Würdest du das gucken?”
Wenn die Antwort “kommt drauf an” ist, ist die Logline noch nicht da. Wenn sie “ja, kannst du mir mehr erzählen?” ist, hast du, was du brauchst.